Willkommen auf der Homepage des Fachdidaktikzentrums Psychologie-Philosophie

Ankündigung: Fachdidaktik kontrovers im Wintersemester

Erziehung zum Guten? Ethikunterricht zwischen Reflexion und Indoktrination.

Ab dem kommenden Schuljahr wird der Ethikunterricht als Pflichtgegenstand flächendeckend in Österreichs Schulen eingeführt. Bezeichnenderweise wird Ethik zum Pflichtgegenstand nur für jene Schüler und Schülerinnen, die keinen Religionsunterricht besuchen. An den Ethikunterricht wird die Erwartung geknüpft, dass er in säkularen und religiös pluralistischen Gesellschaften eine ähnliche Rolle übernimmt wie früher Religion und Kirche: durch den Ethikunterricht soll ein gemeinsames ethisches Verständnis, ein gemeinsames Wertefundament im Umgang miteinander und mit der Umwelt vermittelt werden bzw. sich herausbilden. Angesichts solcher Erwartungen darf einmal mehr die Frage gestellt werden, was der Ethikunterricht wirklich leisten kann und soll. Haben Lehrpersonen im Ethikunterricht die Aufgabe, Schüler und Schülerinnen zu moralisch guten Menschen zu erziehen? Wollen wir den Ethikunterricht als Wertevermittlung verstehen und wenn ja, auf welchen gemeinsamen Wertekanon können wir dabei zurückgreifen? Oder bietet die Ethik als genuin philosophische Disziplin nicht vielmehr vor allem Reflexionsstrategien und rational verhandelbare Argumente an, um über bestehende Wertsetzungen und moralische Problemstellungen nachzudenken?

Es stellt sich also die Frage, wie wir Schülerinnen und Schülern Anstöße zu produktivem Meinungsaustausch und fruchtbarem Streit geben können, wenn es darum geht, eigene Werthaltungen zu entwickeln und mit guten Gründen bestimmte Positionen zu ergreifen.