Verschwörungstheorien – ein Thema für den Philosophieunterricht?

Verschwörungstheorien sind kein neues Phänomen. Seit der Antike bekannt, ziehen sich Verschwörungstheorien durch Mittelalter und Neuzeit. Mit der Französischen Revolution jedoch lässt sich eine Zunahme einer noch heute aktuellen Struktur von Verschwörungstheorien beobachten, bei denen gesellschaftliche Umbrüche dem Wirken finsterer Mächte zugeschrieben werden und ganzen Gruppen der Gesellschaft (Freimaurern, Anarchisten, Jakobinern) die radikal böse Absicht eines Vernichtungswillens unterstellt wird. So unterhaltsam, skurril oder absonderlich Verschwörungstheorien daher im Einzelfall erscheinen mögen, stellen sie doch eine ernst zu nehmende Gefahr für den liberalen Rechtsstaat dar.

Angesichts der zunehmenden Artikulation von Verschwörungstheorien auf Regierungsebenen und einer zunehmenden Verbreitung von Verschwörungstheorien im Internet und den sozialen Medien stellt sich die Frage, ob die Schule ein Ort sein kann, um über die Konstruktion von Verschwörungstheorien aufzuklären und Schülerinnen und Schüler gegen diesen Angriff auf die menschliche Vernunft zu immunisieren.

Die Vortragsreihe „Fachdidaktik kontrovers” soll das Fundament für eine Diskussion dieser Frage bereitstellen, indem Verschwörungstheorien aus unterschiedlichen Forschungsperspektiven beleuchtet werden.

 

Folder

Plakat

 

25. März 2020

Prof. Dr. Caroline Heinrich (Wien)

 „Und wenn doch was dran ist?“ – Wie Verschwörungstheorien unsere Urteilskraft überlisten 

 

29. April 2020

Prof. Dr. Michael Butter (Tübingen)

Verschwörungstheorien von Washington bis Trump

 

20. Mai 2020   

Dr. Karl Hepfer (Erfurt)

Verschwörungstheorien: Warum es „alternativen“ Erklärungen gelingt, unsere Unsinnsfilter zu umgehen – und was wir dagegen tun können

 

10. Juni 2020

Dr. Sebastian Bartoscheck (Herne)

Psychologie der Verschwörungstheorien: Wieso glauben Menschen an Konspirationen? 

Erziehung zum Guten? Ethikunterricht zwischen Indoktrination und Reflexion.

Ab dem kommenden Schuljahr wird der Ethikunterricht als Pflichtgegenstand flächendeckend in Österreichs Schulen eingeführt. Bezeichnenderweise wird Ethik zum Pflichtgegenstand nur für jene Schüler und Schülerinnen, die keinen Religionsunterricht besuchen. An den Ethikunterricht wird die Erwartung geknüpft, dass er in säkularen und religiös pluralistischen Gesellschaften eine ähnliche Rolle übernimmt wie früher Religion und Kirche: durch den Ethikunterricht soll ein gemeinsames ethisches Verständnis, ein gemeinsames Wertefundament im Umgang miteinander und mit der Umwelt vermittelt werden bzw. sich herausbilden. Angesichts solcher Erwartungen darf einmal mehr die Frage gestellt werden, was der Ethikunterricht wirklich leisten kann und soll. Haben Lehrpersonen im Ethikunterricht die Aufgabe, Schüler und Schülerinnen zu moralisch guten Menschen zu erziehen? Wollen wir den Ethikunterricht als Wertevermittlung verstehen und wenn ja, auf welchen gemeinsamen Wertekanon können wir dabei zurückgreifen? Oder bietet die Ethik als genuin philosophische Disziplin nicht vielmehr vor allem Reflexionsstrategien und rational verhandelbare Argumente an, um über bestehende Wertsetzungen und moralische Problemstellungen nachzudenken?

Es stellt sich also die Frage, wie wir Schülerinnen und Schülern Anstöße zu produktivem Meinungsaustausch und fruchtbarem Streit geben können, wenn es darum geht, eigene Werthaltungen zu entwickeln und mit guten Gründen bestimmte Positionen zu ergreifen. 

Plakat

Folder

 

 

16. Oktober 2019

Univ.-Prof. Dr. Markus Tiedemann (Dresden)

"Weder Tugendterror noch Nihilismus. Das Konzept der Transzendentalen Toleranzerziehung"

Interview

Audio

 

6. November 2019

Univ.-Prof. i. R. Dr. Barbara Brüning (Leipzig)

"Erziehung zur Nachdenklichkeit: Philosophieren mit Jugendlichen als Basis des Ethikunterrichts"

Interview

Audio

 

11. Dezember 2019

Dr. Lisz Hirn (Wien)

"Unzeitgemäße Schulstunden: Vom Nutzen und Nachteil des Ethikunterrichts für das Leben"

Interview

Audio

 

22. Jänner 2020

Apl. Prof. i. R. Dr. Georg Lind (Konstanz)

"Ethik versus Moral? Wie kann man beide im Unterricht wirksam fördern, ohne dass sie in Konflikt miteinander geraten?"